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Eine Erinnerung an Solferino (Henry Dunant) - Auszug

"Die Sonne des 25. Juni beleuchtet eine des schrecklichsten Schauspiele, das sich erdenken läßt. Das Schlachtfeld ist allerorten bedeckt mit Leichen von Menschen und Pferden. In den Straßen, Gräben, Bächen, Gebüschen und Wiesen, überall liegen Tote, und die Umgebung von Solferino ist im wahren Sinne des Wortes mit Leichen übersät. Die Felder sind verwüstet, Getreide und Mais sind niedergetreten, die Hecke zerstört, die Zäune niedergerissen, weithin trifft man überall auf Blutlachen ...

... Die unglücklichen Verwundeten, die man tagsüber aufsammelt, sind bleich, fahl und verstört. Einige, und insbesondere diejenigen, die stark verstümmelt sind, sehen stier vor sich hin und scheinen nicht zu begreifen, was man zu ihnen sagt. Sie blicken ihre Retter mit leeren Augen an, aber diese scheinbare Gefühlslosigkeit hindert sie nicht, die Schmerzen ihrer Wunden zu empfinden.

Andere sind unruhig, ihre Nerven sind völlig erschüttert. Sie zucken krampfhaft zusammen. Die, deren offene Wunden sich bereits entzündet haben, sind wie von Sinnen vor Schmerzen. Sie verlangen, daß man sie umbringt, sie winden sich mit verzerrten Gesichtern in den letzten Zügen des Todeskampfes ...

... An anderen Stellen liegen Unglückliche, die von Kugeln oder Granatsplittern getroffen und zu Boden gestreckt sind, denen aber darüber hinaus noch durch die Räder der Geschütze, die über sie hinwegfuhren, Arme und Beine zermalmt wurden ... Wer diesen weiten Schauplatz der Kämpfe vom vorigen Tage durchwandert, trifft bei jedem Schritt und inmitten einer Verwirrung ohnegleichen auf unaussprechliche Verzweiflung und entsetzliches Elend ... "

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